Frankreich und der Rechtsruck


Populismus und Nationalismus greifen in allen Ländern in groben Zügen um sich. Die EU hat damit auch ihre Probleme. Wohin die Reise geht zeigen die Wahlen in den Mitgliedsländern, je größer desto bedeutender. Vor kurzem Österreich und die Niederlande, als nächstes: Frankreich. Drei Franzosen haben uns ihre Perspektive auf die Präsidentschaftswahlen gegeben.

Beitrag: Tim Schmude

Rechtsruck in Europa! Na ja – vielleicht noch nicht ganz. Bisher ist der Rechtsruck meist eher ein Schlagwort für Boulevardblätter als wirklich Alltag.
Aber das kann sich schnell ändern, denn Nationalismus ist leider nicht nur auf anderen Kontinenten ein Thema.
In Zeiten in denen sich die Leute von der Politik allein gelassen fühlen braucht es starke Führungspersonen, und die finden sich für viele nicht in den alt eingesessenen Parteien, sondern eher in der Ecke die oft als „rechts“ bezeichnet wird. Und wie dann der politische Trend auf dem Kontinent ist entscheiden die Wahlen in großen und bedeutenden Ländern – zum Beispiel Österreich .. oder die Niederlande.
Am Sonntag steht die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich an – zur Wahl stehen Emmanuel Macron und Marine Le Pen. Da wir von Frankreich keine Ahnung haben, haben wir uns drei Franzosen und Französinnen vor’s Mikro geholt, die uns die Sache mal erklären. Den Anfang macht Pavi Angalan aus Lyon, die in Bayreuth BWL im 2. Mastersemester studiert:

[O-Ton Pavi]

Es ist kompliziert, wir stecken ein bisschen in der Klemme. Wir haben eine Wahl, bei der es darum geht dass es nicht die extreme Partei werden darf. Ich bin Erasmusstudentin, und ich finde wir müssen uns Europa öffnen und nicht Frankreich abriegeln. Ich bin dafür weiter auf die EU zuzugehen – aber dabei die Souveränität von Frankreich zu behalten ist gar nicht so einfach.

Frankreich abriegeln? Ja – denn eines der Ziele von Marine LePen ist der „Frexit“ also der Austritt Frankreichs aus der EU. Im Kontrast dazu wird Macron gerne mal als Sozialist bezeichnet. Marie Rey aus Florange ist für ihren Management Master in Bayreuth und hat dazu eine andere Meinung.

[O-Ton]

Ich würde Macron nicht als Sozialistin bezeichnen – eigentlich ist er der Kandidat der Bank, und damit nicht mein Kandidat. LePen versucht gerade ihre Partei wieder in guten Ruf zu bringen, aber der Front National ist eine nationalistische Partei, die die Grenzen schließen möchte und den Franc wieder einführen. Ich bin nicht für Macron, aber LePen ist wirklich alles was ich nicht sehen will.

Und so geht es auch vielen anderen Franzosen, für viele steht die Wahl zwischen „auf gar keinen Fall LePen“ und „eigentlich keiner der beiden“. Das führt dazu, dass viele ihre Stimme als Leerstimme abgeben, glaubt Benjamin Gois aus Toulouse, der für seinen Business Master in Bayreuth ist .

[O-Ton]

In Frankreich gibt es etwas das sich der „republikanische Pakt“ nennt – das bedeutet „nein“ zum Front National zu sagen.
Und auch wenn die Leute nicht direkt für Macron sind, wählen sie ihn nur, damit der Front National es nicht wird.
Andere machen gar kein Kreuz, um den Kandidaten zu zeigen, dass sie sie nicht unterstützen. Auch wenn Macron das kleinere Übel wäre, stimmen diese Leute nicht für ihn, weil sie ihn nicht haben wollen.

Es ist also doch ein bisschen die Wahl zwischen Pest und Cholera. Ob das fehlende Kreuz als Protest ausreicht, um etwas zu ändern, sehen wir spätestens am Sonntag – da gehen die Wahlen dann nämlich in die entscheidende Endrunde.

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